Die Unfassbarkeit der Welt
Poesie tönt nach etwas Schönem, Liebevollem. Doch Poesie ist nicht nur dazu da, die schönen Seiten des Lebens zu beschreiben. Sie hilft auch, dem Schmerz und Leid Ausdruck zu verleihen. Ja, sie hilft sogar, Schrecken und Gräuel so in Worte zu fassen, dass man nicht wegsehen muss, sondern sich konfrontieren lässt und sich der Realität stellen kann. Am 24. Februar 2022 hat der russische Präsident Putin die Menschen in seinem Nachbarstaat angreifen lassen. Menschen, die eng verbunden sind mit seiner eigenen Bevölkerung. Wie kann das geschehen?

Ich hoffe. Ich hoffe, dass Worte ihr Ziel erreichen. Dass Menschen, die in ihrer Machtposition das Mitgefühl verloren haben und sich in ihrem goldenen Palast sicher fühlen vor allen Angriffen, irgendwann den schmerzhaften Stich in ihrem Herzen spüren, wenn durch eine kleine Ritze in ihr Bewusstsein dringt, welchen Schaden sie angerichtet haben. Dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Ihr Name wird mit Blut in die Geschichtsbücher geschrieben. Wer will das schon von sich wissen müssen...
Gedichte aus den Schrecken von 1933 - 1945
Viele deutsche Dichterinnen und Schriftsteller mussten in den 30er Jahren ihre Heimat verlassen. Die einen waren als

Jüdinnen und Juden verfolgt, andere auf Grund ihrer politischen Gesinnung gefährdet. Mit der Ausreise ins Exil haben sie nicht nur ihre Heimat verloren, sondern auch die Menschen, die ihre Poesie in ihrer Muttersprache lesen und verstehen konnten. Viele ihrer Gedichte erzählen vom Schmerz der Verlorenheit, von der sprachlichen Isolation, aber immer wieder auch von den Glücksmomenten, die auch in ihren schwierigen Alltag Freude und Leichtigkeit gebracht haben.

Aus Urheberrechtsgründen kann ich hier keine Gedichte von bekannten Autorinnen und Autoren abdrucken. Es lohnt sich, folgenden Autorinnen im Web nachzuspüren:
Mascha Kaleko
Hilde Domin
Rose Ausländer

Weiter unten habe ich meine eigenen Gedanken zu den heutigen Katastrophenmeldungen aus dem Krieg von Russland gegen die Ukraine geschrieben.

Worte für das Unfassbare heute

Was soll man dazu sagen? Am Rand von Europa ist Krieg. Zwischen uns und der Ukraine liegen zwei Länder: Ungarn und Oesterreich, die Solwakei und Oesterreich. Was können wir tun? Wie können wir helfen? Geben, was wir können, die Grenzen nicht verschliessen, hinschauen und protestieren, und nicht vergessen, immer wieder nicht vergessen, dass auch die nächsten Generationen aus Fehlern lernen. Hast du Worte für das Unfassbare? Wenn du sie mir schickst, hänge ich sie an meine virtuelle Klagemauer.
Meine Klagemauer



Nur eine Mauer

Die Mauer auf dem Bild, es könnte irgendeine Mauer sein, irgendwo, von einem Haus vielleicht, in welchem Menschen sich wohl fühlen, sich lieben, sich streiten und wieder versöhnen, ihre Kinder grossziehen, ihr Essen kochen, ihr Leben leben.
Aber das ist nicht einfach eine Mauer. Es ist die Mauer des Krematoriums in Dachau. Die Körper von tausenden von Menschen, die in den Gaskammern ermordet wurden, sind hinter diesen Mauern verbrannt worden.
Die Mauer steht als Mahnmal dafür, was Menschen einander antun können. Sie steht dafür, dass Menschen Recht mit Unrecht verwechseln können und damit Machthabern ermöglichen, unendliches Leid zu bringen und furchtbares Unrecht zu tun.

24. Februar 2022
Früh am Morgen
fallen Bomben über der Ukraine
zerstören Häuser
fordern Menschenleben
verwandeln Frieden in Angst und Schrecken.
Was können wir mehr tun
als eine Kerze anzünden und beten?
Als in stillem Protest auf die Strasse zu stehen?
Wir können
die Türen offen halten
wenn Menschen kommen
und unsere Hilfe suchen.
Irene Meyer







Der Hunger nach Macht
Ich würde mir wünschen,
dass es ihn nicht gibt, 
diesen Hunger nach Macht,
der über Leichen geht.

Ich würde mir wünschen,
dass Gewalt,
allein mit Worten,
alle Macht genommen werden könne.

Ich würde mir wünschen,
dass wir Menschen,
mit Mass und liebevoller Vernunft,
unsere kurze Lebenszeit ausfüllen.

Es braucht nur eine Handvoll Mächtige,
die das nicht tun,
und die Welt von so vielen,
gerät aus den Fugen.
Irene Meyer