Gebet für den Frieden

Am 24. Februar war es ein Jahr her, seit die russische Armee die Ukraine angegriffen hat. Nach wie vor hören und lesen wir täglich von Angriffen auf Städte und Dörfer. Dort wohnen Menschen. Ihre Häuser sind zerbombt, was sie aufgebaut haben ist verloren, ihr Leben ist bedroht. Ein furchtbarer Gedanke.

Doch nicht nur die Meldungen aus dem Kriegsgebiet füllen die Nachrichtenportale und -sendungen. Neutralität, Waffenlieferungen, oder Verbote von Waffenlieferungen, Flüchtlingsströme, Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten, Status S, Ausbildungschancen, Sprachbarrieren, Trauma-Verarbeitung, Menschlichkeit und Unmenschlichkeit, es nimmt kein Ende.

Und doch spüren wohl viele von uns im Alltag nicht viel vom ganzen Drama. Wer nicht direkt in der Flüchtlingsarbeit tätig ist, bei der Arbeit in der Schule oder sonst irgendwo auf ukrainische Menschen trifft, Freiwilligenarbeit leistet, oder vielleicht ein paar Menschen aus der Ukraine in der Nachbarschaft hat, ist wenig konfrontiert mit dem Schicksal der Menschen.

In unserer Gemeinde fand am 24. Februar ein Friedensgebet statt. Menschen aus der Ukraine und aus der Umgebung haben sich getroffen und in den beiden Muttersprachen miteinander gebetet. Alle durften eine Kerze anzünden und still für sich, oder offen eine Bitte aussprechen. Am Schluss spielten der Organist und die Violonistin die Ukrainische Nationalhymne. In der Kirche breitete sich eine tiefbewegte Stimmung aus. Trauer und Schmerz, Ohnmacht und Mitgefühl, Verzweiflung und Hoffnung.

Was bringt es, für den Frieden zu beten?

Wer Kriege führt wird sich entweder im Recht glauben oder auf Gebete pfeifen. Die Generäle haben ihr Herz und ihre Seele verschlossen für das Leid der Menschen, die betroffen sind von Bomben, Gräuel und Zerstörung, so schnell kriegt man die nicht weich.

Und trotzdem kann beten eine hilfreiche Stütze sein, vor allem, wenn wir es gemeinsam tun, gemeinsam mit betroffenen Menschen bei uns, die wir weit weg sind. Anselm Grün, der buchschreibende Mönch rät uns, nicht in der Ohnmacht stecken zu bleiben. Wer sich ohnmächtig fühlt, verliert alle Kraft. Es hilft, sich selbst in der verfahrensten Situation noch handelnd zu erleben. Beten heisst auch, die Hoffnung nicht aufgeben. Das ist unendlich wichtig. Heraklit, der griechische Philosph hat geschrieben: «Wer aber das Unverhoffte nicht erhofft, der wird es nicht finden.» Wir können hoffen, dass die Menschen zur Vernunft kommen. Dass es bald genug Mut und Wille zum Frieden gibt, um die Macht des Krieges zu brechen.

Gemeinsam beten stärkt alle, weil es zeigt: Wir stehen zusammen. Wir haben dasselbe Ziel. Wir sehen einander und wollen miteinander am Leben nicht verzweifeln.

Rainhard Fendrich hat ein wunderschönes, trauriges, sehnsuchtsvolles und hoffnungsvolles Lied zum Frieden geschrieben.