Wenn das Glück am Strassenrand liegt 

Vor ein paar Wochen habe ich ein vierblätteriges Kleeblatt geschenkt bekommen. Esther hat es auf dem Weg zu mir am Wegrand gefunden. Ich habe es gepresst und hüte es in einem Buch. Und ich freue mich jedes Mal, wenn es mir in die Hände fällt.


Ich selber habe in meinem ganzen Leben noch kein Kleeblatt mit vier Blättern gefunden. Es liegt nicht daran, dass ich nicht aufmerksam wäre. Bei meinem letzten Spaziergang bin ich eine Weile ganz langsam auf dem Weg geschlendert und habe meinen Blick auf alle möglichen Arten auf die Kleeblätter am Rad gesenkt: Konzentriert, fokussiert auf kleine Bildausschnitte, mit einem «Übersichtsblick», suchend, im Vertrauen zu finden. Es hat alles nichts genützt. Wie immer. Ich habe kein vierblättriges Kleeblatt gefunden.

Darum habe ich beschlossen, dass ab sofort alle dreiblättrigen Kleeblätter meine Glücksbringer sind. Ich warte ja sonst auch nicht auf das Aussergewöhnliche, Spezielle, Rare, sondern finde das Spannende, Interessante und Schöne im Leben immer und überall am Rand meiner Tage und Nächte. Ich will nicht nur ein kleines bisschen Glück, ich will viel – das volle Leben. Also halte ich Ausschau nach den ganz alltäglichen Freuden und Schönheiten, nach den kleinen Freundlichkeiten und Dankbarkeiten, nach netten Gesten und herzlichen Begegnungen.

Ich habe eine Handvoll dreiblättrige Kleeblätter mit nach Hause genommen und gepresst. Sie sind schön. Ich lege sie überall hin. Sie sollen mich daran erinnern, aufmerksam zu sein für das Glück, wenn ich es in schwierigen, schmerzlichen oder mühsamen Momenten vergessen sollte. Und das wird passieren.


PS: Ich habe meiner Schwester von meinem Entschluss erzählt und sie hat mir gesagt, in Irland sei das dreiblättrige Kleeblatt das Glückssymbol. Sie sind mir sympathisch, die Iren (ich heisse ja fast gleich, fehlt nur ein e am Schluss).

PS: Ich werde mich immer noch über jedes geschenkte vierblättrige Kleeblatt freuen.