Herbstblätter - oder - wofür die dicken Bücher gut sind...
Heute habe ich im Wald eine Menge Herbstblätter gesammelt. Sie haben in den Schreibkursen zum Herbst Collagen und Bilder verziert. Dafür musste ich sie erst mal pressen und trocknen, damit sie ihre schönen Herbstfarben nicht verlieren.

Ich erinnere mich, dass wir schon als Kind jeden Herbst eifrig Blätter gepresst haben. Ich weiss auch noch, welche Bücher aus dem Büchergestell meiner Eltern sich als Gewicht besonders gut eigneten: Die Weltrundschau-Bücher – von welchen ab Jahrgang 1960 für jedes Jahr eines in der Reihe stand. Auf vielen Seiten in grossem Format und mit spannenden Bildern wurde von den Ereignissen des entsprechenden Jahres berichteten. Ich liebte diese Bücher und habe oft eines in die Hand genommen und darin geblättert. Die Bilder der beschriebenen Kriege und Katastrophen haben mich wohl etwas beunruhigt, ich habe davon aber nicht viel begriffen. Fasziniert war ich vor allem von den Hochzeitskleidern der Prinzessinnen. Hochzeiten im königlichen Rahmen gab es damals recht häufig. Als ich im Kindergarten war, habe ich zum ersten und letzten Mal einen Preis für ein selbst gemaltes Bild erhalten. (Es war ein Trostpreis: Eine Familienpackung Pierrot-Glace. Ich wählte Mocca.) Was ich gemalt hatte? Ein Hochzeitspaar.

Aber zurück zum Herbstblätter pressen.

Zum Pressen der Blätter heute Nachmittag habe ich mich also wieder auf die Suche nach schweren Gegenständen gemacht und Bücher eignen sich einfach am besten. In meinem Büchergestell fand ich ein paar besonders dicke und schwere Exemplare (auch wenn sie niemals an das Gewicht der Weltrundschauen herankommen). Beim Herausziehen stellte ich fest: Es sind durchwegs Bücher, von welchen ich nur die ersten 20 Seiten gelesen habe. Davon zeugen die Randnotizen.

Die Bücher waren sicher teuer – ich erinnere mich nicht. Es sind wissenschaftliche Werke mit Fussnoten, die allein den unteren Viertel einer Seite füllen. Und die Sprache ist – einfach ausgedrückt – sehr gehoben.

Ich bin immer wieder erfreut, dass es sehr gelehrte und gescheite Menschen gibt, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen in einer sehr lesefreundlichen und interessanten Weise zu Papier bringen können. Bei den sehr wissenschaftlich intellektuellen Werken hänge ich schnell ab. Ich bin eher mit einer praktischen Intelligenz gesegnet. Nicht, dass ich Theorie nicht wichtig fände, schliesslich war ich lange Berufsschullehrerin. Wenn sich Lernende über den Umfang des Lernstoffes beklagten, war mein Lieblingszitat: «Eine gute Theorie ist das Praktischste was es gibt.» (Gustav Robert Kirchhoff, deutscher Physiker 1824 – 1887)