Über mich
 
Sein und werden

Die Jahre
haben mich
geformt
weicher
bin ich geworden
aber auch
standfester
das Weiss
in meinen Haaren
zieht
Lebenslinien nach.

Irene Meyer Müller

Irene Meyer Müller
Geboren 1966
Aufgewachsen in Eschenbach bei Luzern und über einige Stationen wieder dorthin zurückgekehrt.
Verheiratet, Mutter von 3 erwachsenen Kindern.

Berufliche Tätigkeiten:
  • Dipl. Pflegefachfrau im Spital Olten und beim Gesundheitsdienst der Stadt Bern von 1984 - 1990
  • Berufsschullehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege in Sursee und Luzern von 1990 - 2007
  • Mutter, guter Hausgeist in unserem Geschäftshaushalt seit 1995
  • Kursleiterin für Einsteigerinnen in die Freiwilligenarbeit und für kreative Schreibkurse für Erwachsene seit 2011
  • Pfarreiseelsorgerin mit Engagement in der Seniorenseelsorge, Arbeit mit Freiwilligen, in der Familienarbeit, in der Begleitung von kranken Menschen, in der Gestaltung von Trauerfeiern und Begleitung von Trauerfamilien, in der Organisation und Gestaltung von spirituellen Angeboten für Erwachsene mit Musik, Stille und Meditation und Religionspädagogin mit Unterricht in der Primarstufe 2011 - 2021
  • seit Oktober 2021 freischaffende Seelsorgerin und Leiterin für poetische und kreative Schreibwerkstätten und biografisches Arbeiten
Aus- und Weiterbildungen:
  • Weiterbildung Erzählkaffee mit Claudia Sollberger, Spielbar Anwil
  • Online - Weiterbildung Biografiearbeit an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau mit Karin Orth
  • zert. Leiterin für Schreibwerkstätten nach Integrativer Poesie- und Bibliotherapie EAG/FPI 2012 - 2019 am Fritz Pearl Institut in Hückeswagen (D)
  • Bachelor in Religionspädagogik 2007 – 2011 und 2016 - 2017 am Religionspädagogischen Institut der Universität Luzern
  • dipl. Erwachsenenbildnerin AEB 1991 - 1994 an der Akademie für Erwachsenenbildung Luzern
  • zert. Therapeutin für Therapien am Fuss (Fussreflexzonen, et al. ) an der Heilpraktikerschule Luzern 2004 - 2005
  • Einjahresdiplom Frei's Handelsschule Luzern 1988 - 1989
  • dipl. Krankenschwester AKP, heute Pflegefachfrau 1984 - 1987
Leidenschaften:
Schreiben und Lesen, Nachdenken über das Leben mit allen Höhen und Tiefen von der Geburt bis zum Tod und darüber hinaus, Menschen und ihre Lebenswege kennenlernen, Geschichte, Stille erfahren, Meditation, Pflanzen und Geniessen, Tanzen, Singen und Malen

Berufliche Stationen:
Immer hatte meine berufliche Arbeit mit Menschen zu tun, ganz direkt und intensiv. Nach der Schulzeit verbrachte ich ein Jahr bei einer Familie im Tessin, wo ich als Au Pair im Haushalt mithalf und mich um die beiden Buben kümmerte. Dann folgte ein Jahr als Schwesternhilfe im Altersheim Herdschwand in Emmenbrücke (das es nicht mehr gibt). Nach der Ausbildung zur Krankenschwester blieb ich für einige Zeit im Spital Olten auf der medizinisch-onkologischen Abteilung. Eine Allergie liess mich neue Wege suchen und ich landete über eine jährige Handelsschule, einen zweimonatigen Pflegeheimeinsatz und eine halbjährige Amerikareise in Bern beim Gesundheitsdienst der Stadt. Danach fühlte ich mich reif genug, um wieder in die Pflege zurückzukehren, diesmal als Lehrerin für Krankenpflege. 15 Jahre engagierte ich mich in den Schulen Sursee und Luzern für die Ausbildung der Pflegefachfrauen und –männern, nach 1995 in Teilzeit zu 50% neben meiner Familienarbeit. In dieser Zeit schloss ich eine Ausbildung an der Heilpraktikerschule in Luzern als Therapeutin für Fussreflexzonenmassage ab.
2007 wagte ich einen Schritt in eine neue Richtung und begann mein Studium am Religionspädagogischen Institut der Theologischen Fakultät der Uni Luzern, das ich 2011 mit dem Diplom und 2016 mit dem Bachelor of Arts für Religionspädagogik abschloss. Nach einem zweijährigen Praktikumseinsatz in Steinhausen, fand ich in Rain und Hildisrieden meine massgeschneiderte Stelle und durfte in einem sehr vielseitigen Bereich Aufgaben übernehmen. Im Juni 2019 habe ich meine berufsbegleitende Ausbildung zur Poesie- und Bibliotherapeutin abgeschlossen. Nun ist es an der Zeit, alle meine Fähigkeiten und Erfahrungen zu vereinen und daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Im Oktober 2021 habe ich mein eigenes Atelier für Biographiearbeit, poetische Schreibkurse und Begleitung von Menschen in Krisen und in Trauer eröffnet. 

Was mir das Schreiben bedeutet

Bevor ich lernte zu sprechen,
lernte ich zu schreiben.
Bevor ich sprach,
schrieb ich,
und behielt für mich,
was mich bewegte.
Als ich lernte zu sprechen und zu schreiben,
öffneten sich Schleusen,
ergoss sich ein Fluss
von Gedanken und Gefühlen
in Wortwasserfällen
aus mir heraus
und schuf Raum für Stille und Leere.
Etwas ist zur Ruhe gekommen in mir
und macht es mir leichter,
Augen und Ohren neu zu öffnen,
ohne in Gefühlen und Gedanken zu ertrinken.
              Irene Meyer Müller
Ich kann mich nicht erinnern an eine Zeit, in der ich nicht geschrieben habe. Schon als Primarschülerin liebte ich die Aufsatz-Stunden, die fast allen meinen Mitschülerinnen und Mitschüler zuwider waren. Mich konnte kein Thema, und erschien es auch noch so langweilig und eintönig, davon abhalten, mich mit Freude und Lust und Neugier an die Arbeit zu machen. Ich führte Tagebuch, schrieb Gedichte und in der Vor-Computer-Zeit ellenlange Briefe aus meinen Sprachaufenthalten nach Hause und an meine Freundinnen und Freunde.
Doch bewusst geworden, was mir das Schreiben bedeutet, ist mir erst in meiner Ausbildung zur Poesie- und Bibliotherapeutin am EAP (Europäische Akademie für biopsychosoziale Gesundheit, Naturtherapien und Kreativitätsförderung) in Hückeswagen, in der Nähe von Wupperthal. Schreiben war für mich seit meiner Kindheit eine Heimat für alle Gefühle, über die ich nicht sprechen konnte. Wenn es mir die Sprache verschlug, ergossen sich die Worte auf Papier und besonders das Schreiben von lyrischen Texten ordnete meine Gedanken und half mir, nicht stecken zu bleiben in dem, was mich beschäftigte und bedrückte. Oft habe ich nach längerer Zeit wieder in meinen Notizbüchern geblättert und dabei die lebenserleichternde Erkenntnis gewonnen: Nichts bleibt, wie es war. Schmerzen werden leichter, Trauer verwandelt sich, Fragen verlieren ihre Dringlichkeit, Ängste erweisen sich als unbegründet. Das tut wohl. Und mit Erstaunen habe ich festgestellt, dass all die niedergeschriebenen Freuden, das Glück und die Sehnsüchte ihre Kraft und ihre Leichtigkeit behalten haben und auch nach langer Zeit noch einen Sonnenstrahl in mein Herz malen können.
Schreiben ist ein Weg zu mir selbst und aus mir heraus. Es verbindet mich mit meinem Innersten und mit der Umwelt. Schreiben lässt uns zu Wort kommen – ganz egal, ob wir wortgewandt oder wortsuchend, laut oder leise, reaktionsschnell oder nachdenklich sind. Schreiben gibt uns die Möglichkeit, aus der Tiefe unserer Seele, unserer Erinnerungen, unseres Gedächtnisses zu schöpfen und Neues über uns selbst zu lernen.