Was Poesie- und Bibliotherapie ist und kann

 
Was?
Die Sprache macht es uns möglich, Situationen zu beschreiben, Gefühle in Worte zu fassen, Sprachlosigkeit zu überwinden und im Austausch mit anderen Wahrnehmungen und Sachverhalte zur Sprache zu bringen, zu überprüfen und zu neuen Einsichten zu kommen. Wir sind alle von Natur aus Erzählerinnen und Erzähler.
Seit 30 Jahren lehren Ilse Orth und Hilarion Petzold die Methode der Poesie- und Bibliotherapie an der Europäischen Akademie EAG. Sie haben Ansätze aus Amerika und Frankreich mit dem Rückgriff auf bereits bestehende deutsche Traditionen verbunden und daraus einen eigenen Ansatz entwickelt: Die „Integrativen Poesie- und Bibliotherapie“.   Dabei steht die gestaltete Sprache im Mittelpunkt. Eigene Worte zu finden, für das, was mich beschäftigt, was mich tief bewegt, was vielleicht noch gar nicht ganz bewusst geworden ist, stärkt und heilt. Durch Achtsamkeit und kreatives Tätigsein mit Worten, Bildern, Musik und Bewegung finden Menschen zu ihren eigenen schöpferischen Quellen und lernen Neues über sich selbst.

Für wen?
Die Poesie- und Bibliotherapie führt in kleinen Schritten ans eigene Schreiben heran. Wahrnehmungsübungen, Gedichte und kreative Methoden helfen, in den Fluss zu kommen und öffnen die Türen zur schöpferischen Quelle, die in jedem Menschen schlummert. Die Poesie-Therapie ist keine literarische Schule. Sie fördert die Feinfühligkeit für Worte.  Beim Schreiben geht es weniger um den Inhalt des Geschriebenen, sondern um die Sprachmelodie, die Resonanz, welche ein Gedicht oder ein Text beim Zuhörenden auslöst (und Zuhörende sind wir beim Vorlesen auch selber).

Wie?
Schreibkurse auf der Basis von Poesie- und Bibliotherapie werden meistens in Gruppen durchgeführt. Wir Menschen sind keine Einzelwesen. Wir sind Menschen als Mitmenschen. Unsere Identität bilden wir u.a. aus der Zuweisung von Eigenschaften und Fähigkeiten durch unsere Mitmenschen und unsere Bewertung derselben. Z. B.: „Du bist ein kluges Kind.“  oder "Das lernst du nie." Leider gibt es viele Menschen, die überzeugt sind, nicht malen oder nicht schreiben zu können. Dabei kann jeder Mensch malen und wer gelernt hat, zu sprechen und in einer Sprache zu denken, kann auch schreiben.

Wozu?
Unsere Lebensjahre sind von Kind auf geprägt von vielen schönen und verwirrenden oder verstörenden Erlebnissen und Erfahrungen. Unsere Erinnerungen sind nicht nur im Gedächtnis gespeichert, sondern in jeder Zelle unseres Körpers. Deshalb reagieren wir auf bestimmte Situationen immer wieder mit körperlichen Reaktionen, die uns selbst unerklärlich sind. Gute Erfahrungen stärken uns, kränkende und verletzende Erfahrungen schwächen uns. Doch unsere Identität ist im Fluss. Sie verändert sich. So können auch alte Glaubenssätze und verinnerlichte negative Bilder verwandelt und ersetzt werden, wenn wir ihnen mit einer neuen Aufmerksamkeit begegnen. 
Poesietherapie dient einer vertieften Selbsterfahrung und der Entwicklung und Entfaltung der Potentiale der eigenen Persönlichkeit. Sie hat zum Ziel, die Bewältigung von Lebenskrisen zu begleiten, die Gesundheit, Kreativität und Lebensfreude zu fördern, für Mitmenschlichkeit zu sensiblisieren und das Bewusstsein für das Sein in der Welt als Teil der Natur zu stärken.
Die Heilkraft und das Entwicklungspotenzial der Sprache und des Schreibens im Rahmen der Poesie-, Biblio-/ Lesetherapie können in verschiedenen Arbeitsfeldern und Berufen, in Psychotherapie, in Rehabilitation, in der Seelsorge, in der Pflege, in der Arbeit mit alten und behinderten Menschen, in der Begleitung Sterbender und Schwerkranker eingesetzt werden, und auch in Jugendarbeit, Pädagogik, Erwachsenenbildung, psychosozialer Beratung und Lebenshilfe.

Quelle: Petzold Hilarion G., Orth Ilse (Hrsg.), Poesie und Therapie. Über die Heilskraft der Sprache, Aisthesis Verlag 2015 Bielefeld, 3. Auflage
Die Arbeitsphasen
Jede Sequenz der Poesie- und Bibliotherapie führt durch vier Phasen.
Wir beginnen jeweils mit der Einstimmungsphase, mit dem Ankommen bei sich, in der Gruppe und beim Thema. Die zweite Phase ist die Aktionsphase. Wir arbeiten mit Texten, hören, sehen, schreiben. In der dritten Phase geht es darum, sich zu zeigen, mit der Gruppe in einen Austausch zu kommen, wahrgenommen zu werden und Solidarität zu spüren. Die vierte Phase bildet den Abschluss und ermöglicht Reflexion und Neuorientierung um neue An- und Einsichten bewusst festzuhalten. Es geht um die Frage: Was habe ich erkannt? Und was mache ich damit? (Quelle: Anja Nevanlinna, Integrative Poesie-und Bibliotherapie 2012)
Zu jedem Thema suchen wir einen intermedialen Zugang, das heisst, wir arbeiten mit verschiedenen Medien: Wahrnehmung, Musik, Malen, Bewegen, Begreifen, etc.

Die Wurzeln
Die Poesie und Bibliotherapie nutzt die Heilkraft der Sprache. Schon vor tausend Jahren kannten die Menschen diese heilende Kraft und verbanden die therapeutischen Massnahmen zur Heilung von Krankheiten und Verletzungen mit Segensformeln, Zauber- und Bannsprüchen oder verfassten Trostschriften, -briefe und –gedichte, um Menschen über seelisches Leiden hinwegzuhelfen.
Seit 30 Jahren lehren Ilse Orth und Hilarion Petzold die Methode an der Europäischen Akademie EAG. Sie verbanden die Ansätze aus Amerika und Frankreich mit dem Rückgriff auf bereits bestehende deutsche Traditionen und entwickelten daraus einen eigenen Ansatz weiter: Der „Integrativen Poesie- und Bibliotherapie“.  
Poesietherapie dient einer vertieften Selbsterfahrung und der Entwicklung und Entfaltung der Potentiale der eigenen Persönlichkeit. Sie hat zum Ziel, die Bewältigung von Lebenskrisen zu begleiten, die Gesundheit, Kreativität und Lebensfreude zu fördern, für Mitmenschlichkeit zu sensiblisieren und das Bewusstsein für das Sein in der Welt als Teil der Natur zu stärken.
Die Heilkraft und das Entwicklungspotenzial der Sprache und des Schreibens im Rahmen der Poesie-, Biblio-/ Lesetherapie können in verschiedenen Arbeitsfeldern und Berufen, in Psychotherapie, in Rehabilitation, in der Seelsorge, in der Pflege, in der Arbeit mit alten und behinderten Menschen, in der Begleitung Sterbender und Schwerkranker eingesetzt werden, aber auch in Jugendarbeit, Pädagogik, Erwachsenenbildung, psychosozialer Beratung und Lebenshilfe.

Die Theorie
Die Poesie- und Bibliotherapie ist eine Methode der kreativen Arbeit und zugleich eine Technik in der intergrativen Gestalttherapie. Als eigenständige kreative Methode eröffnet sie einen wunderbaren Weg zur Persönlichkeitsbildung durch das Fördern von Kreativität, Gesundheit und Lebenskompetenz (vgl. Petzold, Orth Poesie und Bibliotherapie, S. 21)
Die Poesie und Bibliotherapie begreift den Menschen als wahrnehmendes, erinnerndes, reflektierendes und handelndes Wesen. Durch die Arbeit mit Poesie werden Prozesse in Gang gesetzt, welche das seelische Gleichgewicht und das persönliche Wachstum fördern und unterstützen.

Quelle: Curriculum Poesie und Bibliotherapie, Kreatives Schreiben und Biographiearbeit im Integrativen Verfahren Europäische Akademie für biopsychosoziale Gesundheit & Kreativitätsförderung EAG Stand Juni 2017 Autoren: Dipl. Sup. Ilse Orth, MSc Psychotherapie, Univ.-Prof. Dr.mult. Hilarion G.Petzold © EAG FPI