Einmitten - Spiritualität im Alltag

Der Begriff Spiritualität kommt vom lateinischen Spiritus, Geist. Spiro heisst "ich atme". Spiritualität ist die Suche nach Verbundenheit und Ganzheit, die unsere eigene Existenz übersteigt. 
Meistens brauchen wir den Begriff in Zusammenhang mit Religion. Und Spiritualität ist zutiefst verbunden mit Religion. Doch sie lässt sich nicht einengen und übernehmen von einer Glaubenstradition oder einer dogmatischen Lehre, sondern verbindet das religiöse Empfinden der Menschen aus allen Kulturen und Religionen zu einem einzigen Strom, der ins Unendliche, Unerklärliche, Unfassbare fliesst. Dahin, wo wir in allem, und alles in uns ist, wo wir Teil sind der Schöpfung, der Natur, des göttlichen und das Göttliche Teil von uns. 

Spiritualität führt heran an Sinnfragen, ohne nach einer finalen Antwort zu suchen, denn für vieles in unserem Dasein gibt es keine Antwort. Spiritualität befasst sich mit den Dingen hinter den Dingen, mit unserem Eingebunden sein als geistig- seelisch - körperliche Wesen in ein Zeit- und Lebenskontinuum.
Spiritualität horcht und schaut nach innen und zugleich weit über uns hinaus zum Heiligen, Allumfassenden.

Jede Religion hat ihre spirituellen Traditionen. Die östlichen Meditationsformen haben auch in unserem kulturellen Leben Einzug gehalten und wir können viel profitieren von ihrer tiefen Weisheit. Es ist spannend, nicht nur in die Weite zu gehen, sondern auch in unserer nächsten Nähe nach spirituellen Quellen zu suchen. Und es gibt viele: Die Geschichte vom Leben von Bruder Klaus und seiner Frau Dorothea in Flühli Ranft, von die Gedichte und Texte von Silja Walter, gestorben 2011, Nonne im Kloster Fahr, die Bücher von Andrea Schwarz oder Anslem Grün, die Gedanken von Jacqueline Keune, um auch einige aus der christlichen Gegenwart zu nennen. 

Für meine persönlich Spiritualität sind mir biblische Texte zu einer unerschöpflichen Anregung geworden. In den Jahren als Seelsorgerin habe ich sie wieder und wieder gelesen und immer wieder neu begriffen, neu entdeckt und für einen Moment verstanden. Aber auch die Bewegung in der Natur, die Stille, das Schweigen sind für mich unverzichtbar, um in meine Mitte zu kommen und mich so fest zu verwurzeln, dass ich mich weit hinauslehnen kann, ohne zu fallen.

Das Jahr mit seinen Jahreszeiten, die sich in unseren Breitengraden so spürbar unterscheiden und uns den Lebenszyklus von Sein und Werden und Vergehen jedes Jahr eindrücklich erfahren und lassen, liegt jeden Tag wie ein offenes Buch der Spiritualität vor uns. Wenn wir bewusst und achtsam durch die Zeit gehen und nicht am Leben, an unseren Mitmenschen und unserer Lebenswelt vorbeirennen, auf der Suche nach etwas anderem, dann hat die spirituelle Achtsamkeit ihren Platz schon gefunden.

Bewusst leben, nicht am Leben und an den Mitmenschen, der Lebenswelt vorbeirennen.
Sich einmitten, sich spüren, auf die innere Stimme hören, Schweigen.
Poetische Schreibwerkstätten
Biografiearbeit